Willkommen zur Literatur-Matinée im Sketch.
 

Zu den Linien
In der Wiener U-Bahn kann man einem Blinden folgen, um alles Dunkle hinter sich zu lassen. Im winterlichen Schnee des Val di Sella im Trentino suchen zwei Frauen und ein Mann die leisen Spuren ihrer Vergangenheit. Ein Wellness-Hotel in den Bergen entpuppt sich als Endstation für eine gedemütigte Ehefrau. Und unter den Klängen eines Konzerts von Maurice Ravel zerrinnt ein scheinbares Glück. Ob am westlichsten Punkt Europas oder im heimatlichen Meran, ob als Kind in Mailand oder einfach nur am Fluss entlang, immer folgen die Protagonisten in Anne Marie Pirchers Geschichten den Linien, die das Leben zeichnet. Mit nüchterner Melancholie, mit Andeutung und Aussparung erzählt die Autorin souverän von Zeiten des Übergangs, von der Komik und Tragik des scheinbar Alltäglichen - und von der Ambivalenz des Daseins.

„Mein Englisch ist in all den Jahren verblasst. Es hat sich verflüchtigt wie ein Parfum, das einem anfangs den Atem nimmt, um irgendwann nur noch als Hauch an einem Handgelenk oder einem Stück Stoff daran zu erinnern, wie stark es gewesen sein könnte. Man riecht daran, bis einem schwindlig wird, um sich dann wieder den Dingen des Alltags zuzuwenden. Linda hat diese Liebe vielleicht nie verstanden. Vielleicht habe ich sie selbst nie verstanden.“

Zur Autorin
Anne Marie Pircher, geboren 1964 und aufgewachsen in Schenna/Südtirol, lebt in Kuens bei Meran.
Seit dem Jahr 2000 schreibt sie Lyrik, Erzählungen und Theaterstücke. 2002 wurde sie zum österreichischen Literaturwettbewerb „Floriana“ eingeladen. 
Zuletzt erschienen: „Kopfüber an einem Baum“, Erzählungen, „Rosenquarz“, Erzählungen.
www.annemariepircher.eu


„Anne Marie Pircher erzählt, was sie sieht, erzählt, was sie weiß, erzählt, was gewesen ist und was sein könnte. Dabei beobachtet sie voller Hingabe und Sorgfalt die Menschen, die sich nur unzureichend in ihrer Welt zurechtfinden, deren Leben und Erleben ihre Gegenwart zu einer Herausforderung, zu einer großen Aufgabe werden lässt, den Zeichen der Sprache, den Zeichen der Welt eine Bedeutung zu geben.“

Eva Maria Stöckler, Literaturhaus Wien


Musikbegleitung mit Marlene Basso.
Marlene Basso 1995 in Bozen geboren. Studiert klassische Gitarre am Mozarteum in Innsbruck. Liebt Musik.